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Titel: Was Bollywood alles anrichten kann…

Autor: Kajol

Email: siren384@yahoo.de

Fandome: NCIS

Pairing: Tony und Ziva

Kommentar: So…meine zweite Geschichte, aber meine erste zu NCIS. Ganz großen Dank an eine meine beste Freundin, Anne. Sie hat mich erst auf die Idee gebracht, diese Geschichte zu schreiben und sie hat auch den Beta-Read übernommen. Also noch mal danke an dieser Stelle. Ach ja…Ich musste leider zwei Teile aus dieser Geschichte zu machen. Aber der ist schon in Arbeit. Also..wenn euch der hier gefällt, dann stelle ich den zweiten sofort on. Versprochen. Nun…Viel Spaß beim Lesen.

Es war eine harte 48 Stunden Schicht gewesen, die Ziva David nun endlich hinter sich gebracht hatte. Dieser Fall hatte alle geschlaucht und sie länger in Anspruch genommen, als sie anfangs angenommen hatten. Sie hätte Gibbs am liebsten umarmt, als er sie alle nach Hause geschickt hatte. Die junge Israelin war so todmüde wie lange schon nicht mehr. Sie würde jetzt noch Baden gehen und dann, wenn sie nicht schon in der Badewanne einschlief, sich in ihr schönes, weiches Bett legen und nicht vor Montag wieder aufstehen. Gott sei Dank hatte sie das Wochenende frei, wenn nicht doch noch was dazwischen kam. Jeden Mörder, der es wagen würde, sie aus ihrem verdienten Wochenende zu holen, würde sie mit dem sofortigen Tod bestrafen. Soviel stand fest.

Ziva hatte sich gerade ausgezogen, als es an der Tür klingelte. Sie murrte genervt. Zuerst spielte sie mit dem Gedanken, wer auch immer dort draußen stand und Einlass begehrte, einfach draußen stehen zu lassen, doch dann zog sie sich doch einen Morgenmantel über und ging zur Tür, um sie zu öffnen. Schließlich könnte es ja etwas wichtiges sein. Sie staunte nicht schlecht, als sie sah, wer da vor der Tür stand. „Tony?! Was machst du denn hier? Jetzt sag bloß nicht, ich soll doch wieder arbeiten kommen. “

„Hatte ich nicht vor.“, grinste Tony und trat einfach an ihr vorbei in die Wohnung. „Komm….doch rein!“, sagte Ziva leicht gepresst, während sie die Tür hinter ihm schloss. Sie folgte ihrem Kollegen ins Wohnzimmer, wo er es sich auf dem Sofa bequem gemacht hatte. Mit einem leisen Seufzen ging auch sie zum Sofa rüber, stellte sich mit verschränkten Armen vor ihn und sah ihn abwartend an. „Wenn du mir jetzt nicht sofort sagst, was du hier willst, schmeiß ich dich raus und es wird sehr schmerzhaft für dich werden!“

Tonys Grinsen wurde aber nur noch eine Spur breiter und schließlich hielt er ihr eine Dvd vor die Nase. „Oh Tony! Du willst doch jetzt nicht allen Ernstes einen Film mit mir sehen? Erstens mag ich deine Filme eh nicht, zweitens wollte ich noch baden gehen und drittens bin ich hundemüde. Also tu mir bitte einen Gefallen… schau dir den Film alleine an. Bei dir zu Hause!“ Sie genervt zu nennen wäre untertrieben gewesen, doch Tony sah sie einfach nur weiterhin an. Doch als sie keine Anstallten machte weiter zu sprechen, ergriff er seinerseits das Wort. „Erstens, wer hat denn gesagt, dass du nicht baden gehen kannst, wenn ich hier bin“, dabei betrachtete er sie kurz von oben bis unten und ein anzügliches Grinsen umspielte seine Lippen. Ziva zog es vor diese Bemerkung unkommentiert zu lassen, doch ihr genervtes Augenverdrehen sagte alles.

„Willst du mir auch noch den zweiten Grund nennen oder soll ich dich direkt aus meiner Wohnung prügeln?“ Wenigstens war sie mittlerweile so freundlich vorher zu fragen. Das konnte man durchaus als Fortschritt bezeichnen. Aber Tony zeigte sich davon nicht im Geringsten beeindruckt. „Was ich noch sagen wollte, bevor du mich unterbrochen hast, geschätzte Kollegin. Kannst du dich noch an den Fall erinnern, als wir in diesen Container gesperrt war?“ Hätte Tony keine Ohren würde er mittlerweile im Kreis grinsen. Er war sich sicher, dass sie wusste worauf er anspielte. Natürlich wusste sie es. Diesen Fall würde sie wohl nicht so schnell vergessen.

Die Israelin kniff die Augen zusammen. Sie musterte ihren Kollegen eingehend und nickte schließlich vorsichtig. Worauf wollte er hinaus? Doch anstatt zu antworten, hob DiNozzo nur wieder die Dvd und wedelte damit vor ihrem Gesicht rum. Gereizt riss sie ihm den Film aus der Hand und las den Titel. „Kuch kuch hota hai? Das ist nicht dein Ernst Tony!“ Sie sah ihn an, als hätte er plötzlich den Verstand verloren, doch Tony verschränkte nur die Arme vor der Brust und nickte leicht.

„Natürlich! Das ist mein voller Ernst. Ich habe doch gesagt, dass wir den gucken werden, wenn wir da lebend raus kommen. Und siehe da. Wir leben noch.“ Er konnte sich ein Lachen nur schwer verkneifen, als er ihren schockierten Blick sah. „Du lebst aber nicht mehr lange, wenn du nicht dein blödes Grinsen abstellst.“, presste sie zwischen den Zähnen hervor, warf ihm noch einen letzten bösen Blick zu und sah dann erneut auf die Hülle in ihrer Hand.

Sie stöhnte leise, als sie die Spielfilmlänge las. „Bist du verrückt! Der Film geht über drei Stunden! Ich bin müde Tony und außerdem interessiere ich mich nicht für diesen Genre!“ Ihr Kollege winkte ab und sah sie mit einem Blick an, den er wahrscheinlich tagelang vor dem Spiegel geübt hatte, und von dem er wohl glaubte, er wäre überzeugend. „Geh jetzt erstmal baden und dann sehen wir weiter. Ich werde mich in der Zeit mal ein wenig hier umsehen und mich ganz wie zu Hause fühlen. Deine Wohnung ist wirklich schön eingerichtet. Hätte ich dir gar nicht zugetraut. Ich hätte viel mehr damit gerechnet, dass es wie ein Gefängnis aussieht oder so…“

Er war schon im Begriff aufzustehen, als sie ihm eine Hand auf die Schulter legte und so fest zudrückte, dass er sich freiwillig wieder setzte. „Du wirst schön hier bleiben und nichts anfassen. Hast du mich verstanden? Ich bin in 15 Minuten wieder hier.“ Damit drehte sie sich um und verschwand im Badezimmer, allerdings nicht ohne ihm noch einen letzten warnenden Blick zuzuwerfen. Dann wurde die Tür mit mehr Nachdruck als nötig geschlossen.

Anthony DiNozzo lächelte zufrieden. Sie hatte ihn nicht rausgeschmissen und somit ja schon fast ihr Einverständnis zu diesem ungeplanten Dvd-Abend gegeben. Er blieb noch einige Sekunden sitzen und sah nachdenklich auf die Tür. Kurz spielte er mit dem Gedanken, ihrer Aufforderung tatsächlich folge zu leisten und einfach brav sitzen zu bleiben bis sie wieder kam. Doch… Tony wäre nicht Tony, wenn er dies tun würde. Also stand er, trotz ihrer eindringlichen Warnung auf und sah sich zumindest das Wohnzimmer etwas genauer an.

Das Sofa, auf dem er bis gerade gesessen hatte, war cremefarben, genau wie der dazugehörige Sessel. Davor stand ein nicht allzu großer Glastisch, auf dem sehr ordentlich aufgereiht alle Fernbedienungen lagen, die sie für die ganzen Geräte, die sich in diesem Raum befanden brauchte. Die Vorhänge reichten bis auf den Boden und waren aus einem schweren bordeauxrot Brokat Stoff. Außerdem hatte dieses Zimmer einen kleinen Kamin auf dem einige Photos standen. Unter anderem eins von Ziva und ihren Eltern, wie Tony annahm. Die Israelin war wirklich ganz anders eingerichtet, als Tony erwartet hatte.

Nach einer Weile verließ er das Wohnzimmer und suchte sich seinen Weg durch den Rest der Wohnung. Die Küche ignorierte er. Küchen sahen eh überall gleich aus, wie er fand. Und sowieso war das so überhaupt nicht sein Raum. Mit dem Zimmer welches er als nächstes betrat, sah das allerdings schon wieder ganz anders aus. Das Schlafzimmer! Als er das Bett sah, musste er feststellen, dass dies eindeutig besser zu Ziva passte als das Wohnzimmer, welches sie so auch aus einem Inneneinrichtungskatalog bestellt haben könnte. Es war sehr breit und hatte an beiden Enden ca. 5 hohe schwarze Stangen die über dem Kopfende in einem Bogen zusammen liefen.

Ein breites Grinsen stahl sich auf das Gesicht des Italieners. In seinem Kopf formte sich ein Bild, was man alles mit diesen Stangen machen könnte, bzw. zu was man sie gebrauchen könnte… Doch schnell schüttelte er den Kopf. Falscher Zeitpunkt und ganz falsche Wohnung, entschied er und sah sich lieber weiter um.

Das Schlafzimmer war an zwei gegenüberliegenden Wänden in Bordeauxrot gestrichen. Anscheinend stand Ziva auf diese Farbe. Ansonsten war das Zimmer recht praktisch eingerichtet. Nur ein Bild von einem Wasserfall hing über dem Bett, was so ziemlich die einzige Dekoration war. Allerdings entdeckte sein Adlerauge auch hier einen Fernseher plus Dvd Player. Na also! Das große, breite Bett traf seinen Geschmack schon eher, als die Couch im Wohnzimmer. Also

legte er die Dvd in das Abspielgerät, warf sich auf das Bett und wartete darauf dass seine Kollegin wieder kam.

Nach exakt 15 Minuten kam Ziva wieder aus dem Bad. Sie hatte sie sich eine blue Jeans und einen weißen Rollkragen Pullover angezogen. Es war mittlerweile schon fast November und die Temperaturen draußen ließen keine andere Kleidung mehr zu. Sie ging direkt ins Wohnzimmer, um ihren Kollegen nach einem Drink zu fragen, da sie sich mittlerweile recht sicher war, dass sie ihn so schnell nicht mehr los werden würde ohne ihm weh zu tun. Doch dieser war nicht mehr in besagtem Zimmer. „Tony???“, rief sie. Ein leicht gereizter Unterton vibrierte in ihrer Stimme. Wenn der jetzt wirklich einen Streifzug durch ihre Wohnung unternahm konnte er was erleben!

„Ich bin hier!“, kam es von Tony aus einem der hinteren Zimmer ihrer Wohnung. Er war doch nicht wohl in ihrem Schlafzimmer! Ziva rannte schon fast dorthin, von wo die Stimme ihres Kollegen her kam und tatsächlich! Er war in ihrem Schlafzimmer! „Bist du lebensmüde! Raus aus meinem Bett! Sofort!“, fuhr sie ihn an, doch DiNozzo hob nur beschwichtigend die Hände.

„Nicht aufregen, Süße! Es sagt schon viel über dich aus, dass der Fernseher in deinem Schlafzimmer größer ist, als der in deinem Wohnzimmer. Hier verbringst du wohl lieber deine Zeit, was?“ Er klopfte grinsend mit seiner rechten Hand auf die Matratze. Ziva rollte zum wiederholten Male an diesem Abend genervt die Augen. Sie sollte ihn raus werfen! Sie hätte ihn schon gleich zu Anfang rauswerfen sollen. Doch aus irgendeinem Grund tat sie es nicht. Noch nicht einmal jetzt. Stattdessen schnaubte sie nur einmal kurz und ging dann weiter in das Zimmer hinein.

„Dann mach gefälligst Platz und lass ja deine Hände bei dir, sonst breche ich sie dir! Du lässt mich eh nicht in Ruhe, bis wir diesen bescheuerten Film gesehen haben!“ DiNozzo grinste zufrieden und verschränkte seine Arme hinter seinem Kopf. „Jetzt sei nicht so Ziva, das wird bestimmt lustig! Hast du eigentlich Chips hier? Oder Popcorn?“ Ziva, die sich mittlerweile neben ihn gesetzt und die Arme vor der Brust verschränkt hatte, schüttelte nur mit Kopf.

„Du bist wirklich kein Filmfan, oder? Ich kann doch keinen Film ohne Knabberzeug sehen!“, gab der Agent entrüstet von sich und sah sie herausfordernd an. „Was erwartest du von mir? Das ich welche aus dem Ärmel schüttel? Fahr eben zur Tankstelle und hol dir welches! Aber dann brauchst du gar nicht wieder zu kommen, denn dann lasse ich dich garantiert nicht mehr rein!“, sagte sie und ein fieses Grinsen umspielte dabei ihre schmalen Lippen. Anthony sah sie schmollend an. „Ich kann auch ohne Knabberzeug!“

Seine Kollegin hob schmunzelnd eine Augenbraue. „Das wäre auch eine sehr seltsame Praktik. Selbst für dich zu seltsam.“, meinte Ziva trocken. Tony streckte ihr nur die Zunge raus und machte schließlich den Film an. Schon im Hauptmenü dröhnte ihnen ein indisches Lied aus den Lautsprechern entgegen. Beide verzogen das Gesicht und Tony beeilte sich auf Play zu drücken. Es konnte ja eigentlich nur besser werden.

Ziva musste nach einer knappen Stunde, die der Film nun schon lief, freudig feststellen, dass ihr Kollege mehr unter seiner Filmwahl litt, als sie. „Was ist denn Tony? Gefällt dir der Film etwa nicht?“ „Singen die in Indien immer so viel? Und der größte Witz ist ja wohl, dass diese Filme immer ein Happyend haben! Hab ich mir sagen lassen. Als wenn sich ein Mann wirklich nur für eine einzige Frau entscheiden könnte! Ich meine, sieh dir Gibbs an! Der war auch schon einige Male verheiratet! Eine Frau reicht uns Männern einfach nicht!“, sagte er nun wieder grinsend.

Doch Ziva gab sich davon unbeeindruckt. „Tja. Pech gehabt, Tony! Wir werden diesen Film jetzt zu Ende sehen! Und ich werde jetzt bestimmt nicht mit dir darüber philosophieren, was Männer brauchen und was nicht! Darüber sind wir sowieso geteilter Meinung!“ Sie sah nun wieder stur auf den Bildschirm und ignorierte ihn für die nächsten zweieinhalb Stunden. Das klappte auch wunderbar, was unter anderem daran liegen konnte, dass sie bei der Hälfte des Films eingeschlafen war.

Ihr Kopf war auf seine Brust gerutscht und sie hatte sich noch etwas näher an ihn angekuschelt. Nach dem der Film zu Ende war, schaltete Tony mit den Fernbedienungen alle Geräte aus. Er wollte sich so wenig wie möglich bewegen, um sie nicht zu wecken. Er beobachtete Ziva eine zeitlang und stellte dabei fest, wie hübsch sie war. Nicht, dass er das nicht schon vorher gewusst hatte, aber jetzt hatte er die Möglichkeit, sie sich mal ganz in Ruhe zu betrachten. Eine Strähne ihres schwarzen, gelockten Haares fiel ihr in das leicht gebräunte Gesicht. Zärtlich strich er sie wieder an ihren Platz. Doch anstatt seine Hand dann wieder weg zu nehmen, streichelte er sanft über ihre Wange.

Plötzlich verspürte er den starken Drang sie zu küssen, obwohl er sich bewusst war, dass sie ihn auf der Stelle töten würde, wenn sie jetzt wach würde. Langsam und ganz vorsichtig beugte er sich zu ihr hinunter und hauchte ihr einen Kuss auf die weichen Lippen. Ziva drehte kurz den Kopf, ohne wirklich wach zu werden und rutschte noch ein Stück näher an ihn heran. Tony lächelte nur sanft. Sie war so friedlich, wirkte fast schon verletzlich, wenn sie schlief, dachte er amüsiert. Sie würde ihm vermutlich den Hals umdrehen, wüsste sie, dass er so über sie dachte.

Vorsichtig strich er ihr über den Rücken und kraulte ihr schließlich den Nacken. Ziva gab einen zufriedenen Laut von sich, legte nun auch einen Arm um ihn und strich fahrig über sein Rückrat. Eine leichte Gänsehaut überzog DiNozzos Körper und er erschauderte sanft. Er blinzelte kurz. Das war neu. So hatte sein Körper bis jetzt noch nie reagiert. Hatte das etwas zu bedeuten, fragte er sich unwillkürlich, schob diesen Gedanken aber ganz schnell außerhalb seiner Reichweite. So wie immer, wenn er an Fragen stieß deren Antworten er nicht kannte. Oder nicht kennen wollte. Zumindest verfuhr er so was sein Privatleben betraf.

Ziva merkte von alldem nichts, da sie immer noch schlief. Schließlich wurden ihre Hände fordernder und schob ihre Hand schließlich unter seinen Pullover. Tony zuckte leicht zusammen. Nicht, das es ihm nicht gefiel ihre weichen Hände aus seiner bloßen Haut zu fühlen, aber das überraschte ihn nun doch. Er sagte leise ihren Namen, nur um sicher zu gehen, dass sie wirklich noch schlief. Aber es kam keine Antwort. Ihre kühle Hand fuhr weiterhin ungehindert über seine warme Haut und verstärkte die Gänsehaut somit noch etwas.

Mittlerweile musste er sich schwer zusammen reißen, sie nicht noch einmal zu küssen, was er normalerweise wohl schon lange getan hätte. Er hätte sie wahrscheinlich schon lange auszogen oder wäre zumindest mit seinen Händen schon unter ihrem Pullover. Aber bei Ziva war das was Anderes. Sie war keine seiner normalen Eroberungen. Sie war Ziva! Eine Kollegin! Jemanden den er respektierte! Den er mochte. Ja er mochte sie sogar sehr, wenn er ehrlich zu sich war. Außerdem bekam sie ja noch nicht mal was davon mit, was sie bzw. er gerade tat. Also genoss er noch einen Augenblick die sanften Berührungen seiner sonst so unterkühlten Kollegin. Doch dann griff er hinter sich, löste ihre Hände aus seinem Pullover und zog sie dichter an sich. Sie wehrte sich nicht dagegen. Ganz im Gegenteil. Sie kuschelte sich noch tiefer in die Umarmung und schlief ruhig weiter. Tony lauschte noch eine Weile ihren ruhigen, regelmäßigen Atemzügen und schlief dann ebenfalls ein.

Mitten in der Nacht wachte Ziva plötzlich auf. Ihr war so schrecklich warm und jeder Versuch, sich umzudrehen, scheiterte. Sie schlug die Augen auf und sah direkt in Tonys Gesicht, der scheinbar friedlich schlief. Zuerst schreckte sie ein wenig zurück, doch dann fiel ihr wieder ein, wie er in ihr Bett gekommen war. Sie hatten ja diesen Film gesehen. Sie musste wohl zuerst eingeschlafen sein. Sie erinnerte sich gar nicht an das Ende des Films. War wohl auch besser so.

Die junge Israelin streckte sich kurz etwas. Der leise Schmerz in ihrer Seite sagte ihr, dass sie wohl schon eine ganze Weile auf ihr lag. Außerdem war ihr Bein eingeschlafen, wie sie feststellen musste. Aber sie wollte sich jetzt nicht drehen, da sie nicht riskieren wollte, ihren Kollegen zu wecken.

Ihre Augen glitten zu seinem Gesicht, an dem sie schließlich hängen blieb. Er sah richtig harmlos und vernünftig aus. Ziva musste unwillkürlich grinsen. Es war ihr noch nie passiert, dass ihr im Zusammenhang mit Tony die Wörter ‚harmlos’ und ‚vernünftig’ in den Sinn kamen. Doch sie stellte auch etwas anderes fest, was leise Nervosität in ihr weckte. Ihre Gesichter waren sich gefährlich nahe und sie spürte seinen ruhigen Atem auf ihren Lippen.

Sie fühlte sich von diesen ruhigen, klaren Zügen in diesem Moment seltsam angezogen. Besonders seine Lippen hatten eine Art hypnotischen Bann auf sie und veranlassten sie sich dem Gesicht immer mehr zu nähern. Dies beunruhigte sie noch mehr. Doch ihr klarer Verstand, die sie normalerweise davon abhalten würde, so was zu tun, schaltete sich immer mehr ab und schließlich schloss sie auch noch den letzten Abstand zu ihm und küsste sie ihn.

Eigentlich wollte sie das gar nicht oder zumindest durfte sie es nicht, aber seine Lippen fühlten sich so wunderbar weich an. Sie küsste ihn immer wieder, auch oder gerade weil sie dadurch riskierte, ihn aufzuwecken. Sie wusste es nicht mehr so genau. Was willst du ihm dann sagen, hallte eine leise Stimme in ihrem Kopf. Doch soweit dachte sie nicht wirklich. Wenn sie ehrlich zu sich war, dachte sie gar nicht mehr.

Ihre Hände machten sie auf eine Erforschungsreise über seinen Körper. Sie glitten über seine Brust und den Bauch und ihr fiel zum ersten Mal auf, wie durchtrainiert sein Körper eigentlich war. Er hatte keinen Waschbrettbauch, aber man spürte seine Muskeln, wenn man darüber fuhr. Eigentlich war Tony genau so, wie Ziva sich einen gut aussehenden Mann vorstellte. Zwar durchtrainiert, aber bloß nicht zu viele Muskeln. Ziva schmunzelte. Könnte er in diesem Moment ihre Gedanken lesen, wäre er wahrscheinlich um zehn Zentimeter gewachsen! Wenn das überhaupt noch möglich war, bei seinem riesigen Ego! Wenn sie ehrlich zu sich war, war er ja auch ein wirklich netter Kerl, der auch sehr gut aussah…Das Problem daran war nur, dass er das auch wusste.

Langsam wurde auch Tony wieder wach. Doch instinktiv ließ er seine Augen geschlossen. Er wusste nicht genau warum, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass er beobachtet wurde. Plötzlich spürte er wieder was ihn geweckt hatte. Weiche Lippen auf seinen! Er musste sich schwer zusammenreißen, um nicht zu zucken. Denn das hätte ihr verraten, dass er wach war und sie hätte vermutlich damit aufgehört. Und das wollte er gerade absolut nicht riskieren. Er genoss ihre Streicheleinheiten sehr und sie so nah bei sich zu spüren, jagte ihm erneut einen Schauer über seinen Körper.

Tony war sich bewusst, dass es nicht fair war, ihr weiter vorzuspielen, dass er noch schlief, aber er war auch neugierig, was noch passieren würde. Doch etwas konnte er nicht verhindern. Sein Atem wurde immer schneller. Und noch etwas ganz anderes an seinem Körper meldete sich zu Wort, was nun mal auch Mitspracherecht forderte, wenn Männer erregt waren…

Schließlich nahm er doch all seinen Mut zusammen und als sie ihn wieder küsste, erwiderte er den Kuss. Er merkte, wie sie leicht zurückschreckte und rechnete schon damit, jeden Moment eine Ohrfeige zu bekommen. Aber nichts dergleichen geschah. Ziva ließ sich auf den sanften Kuss ein und rutschte noch etwas näher an ihn. Ihre Küsse wurden schnell fordernder und schließlich gewährte er ihr Einlass.

Zwischen ihnen entbrach ein kleiner Kampf, den aber keiner von ihnen für sich entscheiden konnte. Ihre Küsse und auch ihre Bewegungen wurden stürmischer. Fast schon hektisch begann Tony damit seine Kollegin zu entkleiden und Ziva tat dasselbe mit ihm. Vorsichtig drehte er sie auf den Rücken und legte sich auf sie. Er streichelte ihr zärtlich über die Seite und wanderte mit seinen Küssen immer weiter hinunter. Erst zu ihrem Hals und schließlich zu ihrer Brust. Erst nahm er sich der einen Brustwarze an und leckte zärtlich darüber, bis diese steif wurde und widmete seine Aufmerksamkeit dann auch der Zweiten. Ziva stöhnte immer wieder leise, gab Tony so zu verstehen dass ihr gefiel was er tat. Irgendwie schien er genau zu wissen, was ihr gefiel.

Sie schlang beide Arme um seinen Hals und fuhr ihm mit einer Hand durch die Haare. Er wanderte mit seiner Zunge weiter hinunter zu ihrem Bauch und versank kurz in ihrem Bauchnabel. Ziva bäumte sich auf und warf ihren Kopf in den Nacken. Eine Gänsehaut überzog ihren Körper. Sie wand sich geradezu unter ihm. Tony verweilte noch eine Zeit lang an ihrem Bauchnabel, küsste sich dann wieder nach oben und suchte ihre Lippen.

Schließlich ließ er wieder von ihnen ab und sie sahen sich lange Zeit in die Augen. Beide Augenpaare hatten mittlerweile einen fiebrigen Ausdruck angenommen und keiner konnte vor dem anderen verbergen, wie sehr sie das hier wollten. Schließlich spreizte sie ihre Beine und hob ihr Becken, um ihm zu zeigen, das er weiter machen sollte. DiNozzo kam dieser stummen Aufforderung fast sofort nach und beide stöhnten auf, als er vorsichtig in sie eindrang. Er bewegte sich langsam in ihr und sie hatte das Gefühl, jede einzelne Faser in ihrem Körper zu spüren. Ihm ging es da nicht anders. Das hier war sowieso ganz anders, als alles was er bis jetzt erlebt hatte, wie er überrascht feststellte. Doch die jetzige Situation ließ ihm wenig Raum darüber nachzudenken.

Verlangend schlang Ziva beide Beine um seinen Körper und verschränkte sie hinter seinem Rücken. Sie schienen zu einer Einheit zu verschmelzen und jeder wusste ganz genau, was der andere wollte. Sie ließ ihr Becken kreisen und bestimmte somit das Tempo, dass schon bald sehr viel schneller wurde. Er führte eine Hand zu ihrer und verschränkte sie mit seiner. Ziva krallte sich mit der einen Hand in Tonys Rücken fest und drückte ihn noch näher an sich.

Tony schrie ganz leise auf, als sie ihre Fingernägel in seine Haut grub und er zeitgleich noch etwas tiefer in sie hinein glitt. Was Ziva ein erneutes Aufstöhnen entlockte. Mittlerweile hatte er seinen Kopf in ihre Halsbeuge gelegt und sie spürte seinen schweren Atem auf ihrer Haut, was das Blut nur schneller durch ihre Adern schickte. Ihre Stimmen schwollen immer mehr an, womit sie sich gegenseitig vorantrieben.

Er bewegte sich noch etwas schneller und es war klar, dass er das nicht mehr lange aushalten könnte. Sein ganzer Körper fing an zu zittern, als ob er ihm damit sagen wollte, dass er nicht mehr weit von einem Orgasmus fern war. Ihr ging es da ganz ähnlich und nach einer scheinbar endlos langen Zeit kamen schließlich beide mit den Namen des Anderen auf den Lippen zum Höhepunkt.

Tony blieb noch eine Zeit lang auf ihr liegen und genoss ihre Nähe. Sein Herz hämmerte in heftigem Stakkato gegen seine Brust und das Atmen fiel ihnen beiden immer noch schwer. Beide wagten es nicht, auch nur ein Wort zu sagen. Das hätte auch wahrscheinlich alles zerstört.

Schließlich rollte Tony sich erschöpft neben sie und Ziva legte ihren Kopf wieder auf seine, inzwischen leicht verschwitzte Brust, kuschelte sich nah an ihn. Sie strich ihm noch eine Weile gedankenverloren über den Arm und beide schliefen nach einiger Zeit erschöpft ein.

Als Ziva am nächsten Morgen erwachte, lag Tony nicht mehr neben ihr. Nicht, dass sie damit gerechnet hatte, doch irgendwie war sie darüber enttäuscht. Die junge Israelin ging erstmal ins Bad, um sich zu duschen. Sie musste einen klaren Kopf bekommen und das ging am besten mit kaltem Wasser. Eher konnte sie nicht über das, was gestern passiert war, nachdenken.

Als sie frisch geduscht war, fühlte sie sich fast schon wie neugeboren. Sie ging in die Küche und machte sich einen Kaffee, der sie noch etwas wacher machte. Was war das nur gestern? Wie konnte das passieren? Wie konnte sie sich nur einem Frauenheld wie Tony hingeben? Das passte doch gar nicht zu ihr! Ziva war sich nicht sicher, ob sie es bereute. Es war ja auch gut gewesen, aber es war so falsch! Das verstieß gegen ihre Prinzipien! Ihr Kollege hatte bestimmt nichts Besseres zu tun, als sie nun ihr ganzes Leben damit aufzuziehen.

Sie überlegte kurz, ob sie nicht zu ihm fahren sollte und ihm erklären sollte, dass das ganze nur ein schrecklicher Unfall war! Das dies nie wieder passieren würde und er sich bloß nicht zuviel darauf einbilden sollte. Aber das wäre kindisch gewesen. Am besten war wohl, wenn sie ihn einfach ignorierte. Ja! Das würde sie machen. Liebe konnte das ja schließlich nicht gewesen sein. Es war ein einfacher One Night Stand, der nichts zu bedeuten hatte. Außerdem verliebte Anthony DiNozzo sich nicht. Nicht in sie. Sie war gar nicht sein Typ. Folglich konnte sie ihm auch nicht sein Herz brechen, wenn sie ihn ignorierte. Ziva nahm ihren Kaffee und verkroch sich damit unter eine Decke auf ihre Couch, wo sie auch den Rest des Tages verbrachte. Sie war schon ganz froh, das Wochenende frei zu haben. So würde sie Anthony erst am Montag wieder über den Weg laufen.

Tony hatte Zivas Wohnung schon verlassen, als die Sonne gerade erst aufgegangen war. Er wollte einfach nicht da sein, wenn sie aufwachte. Er hatte einfach zu viel Angst vor ihrer Reaktion. Tony war direkt zu seiner Wohnung gefahren und hatte sich umgezogen. Er musste jetzt an die frische Luft und eine Runde joggen. Dabei konnte er am besten nachdenken. Eigentlich müsste er sich doch jetzt freuen! Immerhin hatte er sie ins Bett bekommen! Er müsste doch stolz auf sich sein! Doch das war er nicht. Er war alles andere als das! Ziva war einfach keine Frau für eine Nacht, doch er hatte sie nun dazu gemacht. Hatte sie seiner Trophäensammlung hinzugefügt. Doch zu seiner Überraschung fühlte es sich nicht so gut an wie erwartet. Zum ersten Mal in seinem Leben ekelte er sich schon fast vor sich selber und ihm wurde bewusst, was für ein Arsch er wirklich war. Er hätte aufhören müssen, als es noch nicht so spät war. Sicher…Sie hatte damit angefangen. Aber er hätte es beenden müssen!

Montagmorgen im HQ

Gibbs kam, für seine Verhältnisse, gut gelaunt ins Büro. Er hatte ein ruhiges Wochenende hinter sich und war ein ganzes Stück an seinem Boot weiter gekommen, welches er seit einiger Zeit baute. Was ihn immer wieder in regelrechte Hochstimmung versetzte. Mit seinem geliebten, obligatorischen Kaffee in der Hand, ging er geradewegs auf seinen Schreibtisch zu. Aber irgendwas stimmte hier nicht. Irgendwas war anders. Auf halbem Wege zu seinem Platz blieb er noch mal stehen und drehte sich noch einmal um. Und dann sah er was nicht gepasst hatte. Da war eine Person im Raum, die um diese Uhrzeit einfach nicht passte: Special Agent Anthony DiNozzo!

Und noch etwas war seltsam. Tony schien ihn gar nicht bemerkt zu haben. Kein überfröhliches ‚Morgen Boss!’, kein neuer Versuch auf seine tollen Verdienste aufmerksam zu machen, kein übertriebenes Grinsen. Ganz im Gegenteil… er schien ihn gar nicht bemerkt zu haben. Er starrte einfach nur gedankenverloren auf seinen Schreibtisch.

Gibbs runzelte die Stirn und räusperte sich, doch Tony schien ihn immer noch nicht zu bemerken. Der Jüngere starrte immer noch düster vor sich hin während er die ganze Zeit mit dem Kugelschreiber in seiner rechten Hand auf den Schreibtisch klopfte. Sein Boss musste zugeben, dass er Tony wohl noch nie so nachdenklich erlebt hatte. Oder doch…Das letzte Mal nach Kates Tod. „Tony! Was machst du denn schon hier?“, fragte er ihn nun direkt und ging auf ihn zu.

Doch der Angesprochene reagierte nicht. „Hey! Tony!“ Nun schrak dieser aus seinen Gedanken auf und setzte sich sofort etwas aufrechter in seinen Stuhl. „Morgen Boss! Sorry. Ich hab dich gar nicht bemerkt. Was hattest du gesagt?“ „Ich habe dich gefragt, was du jetzt schon hier machst! Du bist doch sonst nicht so überpünktlich. Hast du was ausgefressen und willst es damit wieder gut machen?“, sagte Gibbs nun etwas ungehalten. Er mochte es überhaupt nicht, wenn er sich wiederholen musste. Was war denn nur mit DiNozzo los?

„Ach…Ich… ich dachte mir einfach, ich könnte ruhig mal was früher im Büro erscheinen. Sonst bin ich morgens immer derjenige der als Letztes kommt und abends derjenige, der als Erstes geht. Ich wollte auch mal ein guter Mitarbeiter sein.“ Gibbs hob eine Augenbraue nach oben. „Du bist auch so ein guter Mitarbeiter, Tony! Aber wenn du schon mal hier bist, kannst du dir diese Akte hier schon mal durchlesen. Ein toter Petty-Offizier wurde auf einem Kinderspielplatz gefunden. Äußerlich deutet nichts auf einen Mord hin, aber ich möchte mir das trotzdem etwas näher ansehen.“

Er reichte ihm besagte Akte und setzte sich dann an seinen Schreibtisch. Tony nickte. „Geht klar, Boss.“ Und tatsächlich. Er machte sich sofort daran die Akte zu studieren. Erneut runzelte Gibbs die Stirn. Seit wann war Tony denn so scharf auf Arbeit? Er hatte allerdings keine Gelegenheit sich lange darüber Gedanken zu machen, denn in diesem Moment traten McGee und Ziva aus dem Fahrstuhl. „Morgen Boss!“, kam es direkt aus Timothys Mund und Gibbs nickte zur Antwort. Ziva murmelte ebenfalls ein Morgen und setzte sich sofort an ihren Schreibtisch.

„Ziva! Sie müssen sich gar nicht erst hinsetzen. Sie und McGee gehen runter zu Ducky. Wir haben eine Leiche auf einem Kinderspielplatz. Er soll sie sich mal anschauen. Tony! Mit kommen! Wir sehen uns unten.“ DiNozzo sprang sofort auf und folgte seinem Boss, ohne das Ziva und Tony auch nur einen Blick wechselten, von einem Guten Morgen oder einer spitzen Bemerkung, wie sonst üblich, ganz zu schweigen. Wieder war Gibbs verwundert. Doch er entschied, dass diese Sache warten musste. Schließlich wartete eine Leiche auf sie, auch wenn er feststellen musste, dass sich die Beiden an diesem Morgen untypisch benahmen.

Der Spielplatz, auf dem die Leiche gefunden worden war, war nicht weit vom HQ entfernt und somit waren sie nur knappe zwanzig Minuten unterwegs. DiNozzo nahm sich sofort seine Kamera, um einige Photos vom Leichnam und vom vermeintlichen Tatort zu machen und Ziva und McGee machten sich daran die Leute zu befragen, die den jungen Mann gefunden hatten. Das Opfer trug keinerlei Papiere bei sich, wodurch sie es nicht gleich identifizieren konnten. Einzig seine Uniform, gab Grund zu der Annahme, dass er der Navy angehörte.

Gibbs blieb bei Ducky und wartete auf eine erste Diagnose. Doch der Pathologe musste ihn enttäuschen. „Tut mir leid, Jethro, aber ich kann dir im Moment noch nicht sehr viel sagen, außer das er der äußeren Erscheinung und der Körpertemperatur nach seid etwa fünf Stunden tot ist. Ich nehme ihn mit und gebe dir Bescheid, sobald ich etwas weiß.“ Bei diesen Worten, gab er auch schon Anweisungen an seinen Assistenten Palmer, der daraufhin den Leichnam transportfähig machte.

Die Befragungen, der umstehenden Leute, brachten die Ermittler auch nicht wirklich weiter und so machten sie sich nach kurzer Zeit wieder auf den Weg ins HQ. Ziva und Tony hatten immer noch kein einziges Wort gewechselt und langsam wurde sogar Gibbs neugierig. Er würde der Sache bei Gelegenheit auf jeden Fall auf den Grund gehen.

Kaum im HQ angekommen, versammelte sich das Team in der Pathologie, um zu erfahren, ob der junge Offizier wirklich eines natürlichen Todes gestorben war, wie es anfänglich den Anschein machte. Was Gibbs allerdings für unwahrscheinlich schien, da der junge Mann gerade mal Mitte Zwanzig war. Und in den seltensten Fällen starb ein Offizier in so jungen Jahren eines natürlichen Todes. Schließlich verlangte man von Navy Angehörige eine besondere Fitness, außerdem müssen die Offiziere regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen.

„Also Ducky! Was hast du für uns? Woran ist der Petty Officer gestorben?“, fragte Gibbs den Pathologen sofort, als er den Raum betrat. Ducky, der bis gerade noch damit beschäftigt gewesen war, sich einige Notizen zu machen, sah auf und kam Gibbs ein Stück entgegen. „Na ja… bei der ersten Untersuchung, war die Diagnose, klassisches Herzversagen. Dann habe ich mir mal den Mageninhalt des Mannes angesehen und eine sehr große Menge einer uns bis jetzt noch unbekannten Substanz gefunden. Ich habe sie gleich zu Abbey gegeben. Sie ist gerade dabei, herauszufinden, worum es sich dabei handelt. Sonst habe ich nichts Außergewöhnliches an ihm gefunden. Er hat auch keine Tätowierungen oder sonst was in der Art an seinem Körper, was es uns leichter machen würde unseren John Doe zu identifizieren. Mehr habe ich also leider nicht für dich, Jethro.“ Dieser nickte kurz. „Danke dir. Vielleicht reicht das ja schon, wenn wir erstmal wissen um was für eine Substanz es sich da handelt.“

Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zu Abbey und die anderen folgten ihm einfach, um eventuelle Instruktionen sofort zu befolgen. Abbey saß gerade an ihrem PC und suchte anscheinend nach irgendetwas Bestimmten. „Ich hoffe für dich, dass du nur im Internet bist, weil es was mit dem Fall zu tun hat?“, sagte Gibbs ohne Umschweife. Abbey drehte ihren Stuhl schwungvoll so dass sie in die Richtung ihres Bosses sah. Ein breites Grinsen gepaart mit einem gespielt vorwurfsvollen Blick traf ihn. „Gibbs! Ich würde doch nie das Internet des NCIS für private Zwecke nutzen! Was denkst du denn von mir?“

Gibbs legte nur ein schiefes Lächeln auf und wartete auf eine Berichterstattung ihrerseits. Die junge Forensikerin hatte auch keine Antwort erwartet und so begann sie direkt mit ihrem Bericht indem sie sich wieder schwungvoll zu ihrem Bildschirm umwandte und ein paar Tasten drückte. „Also…Bei besagter Substanz handelt es sich um Paroxetin. Hier in den USA auch bekannt als Paxil. Es handelt sich dabei um einen antidepressiv wirkenden Arzneistoff aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer auch SSRI genannt und ist verschreibungspflichtig. Es wird von der Firma GlaxoSmithKline auch in Europa, bis auf England, der Schweiz und in Australien vertrieben. Das seltsame an der Sache ist nur, dass dieser Junge es in seinem Magen hatte. Denn das Mittel steht im Verdacht, bei der Einnahme durch Patienten im Alter bis etwa 30 Jahren die Suizidgefahr zu erhöhen. Außerdem vermindert es das sexuelle Interesse und sorgt für Errektionsstörungen. Was in diesem Alter vielleicht nicht gerade von Vorteil ist. Deshalb gehe ich einfach mal davon aus, dass es nicht so häufig verschrieben wird. Das dürfte es recht einfach machen, den jungen Petty Officer zu identifizieren. Ihr müsst also einfach nur die umliegenden Apotheken abklappern. Danke! Ich weiß, dass ich gut bin.“

Abbey beendete ihren Monolog und wandte sich wieder grinsend an Gibbs. Wie immer wartete sie auf seine Reaktion und dieser enttäuschte sie auch nicht. „Ja, das bist du wirklich, Abbs. Danke dir! Tony! Ziva! Ihr Beiden ruft die umliegenden Apotheken an und fragt nach, welche in den letzten paar Wochen eben dieses Arzneimittel verkauft haben.“

Beide nickten zur Bestätigung und machten sich auf den Weg ins Büro. Gibbs und McGee folgten ihnen wenig später. Schließlich saßen alle wieder an ihren Schreibtischen und jeder ging seinen Aufgaben nach. „Boss!“, kam es von DiNozzo. „Ich habe eine Apotheke gefunden. Der Apotheker sagte mir, dass er genau dieses Mittel letzte Woche verkauft hat. An einen Petty Offizier Alexander Richards.“ Jetzt war es wieder da! Das triumphierende Lächeln auf Tonys Gesicht. Jethro war richtig froh, es wieder zu sehen, auch wenn es ihm schwer fiel sich das einzugestehen.

„Sehr gut gemacht, Tony! Dann…“ „Ich möchte eure Freude ja nicht hemmen…“, wurde er von Ziva unterbrochen. „…aber ich habe ebenfalls eine Apotheke ausfindig gemacht, die dieses Mittel am Freitag an einen jungen Mann abgegeben hat.“ Gibbs nickte ihr zu. „In Ordnung. Es könnte ja immer noch sein, dass er dieses Mittel nicht freiwillig in so hohen Mengen zu sich genommen hat. Dann fahrt ihr Beiden zu den Apotheken und zeigt ihnen eine Bild von unserem Offizier.“, sagte er an Ziva und Tony gewannt. Er wollte sich gerade wieder um seine Emails kümmern, als von Tony ein Räuspern kam.

„Ja?“, fragte ihn sein Boss leicht genervt und mit hochgezogener Augenbraue. „Sorry Boss. Aber… kann ich nicht vielleicht McGee mitnehmen?“ Ziva drehte sich ruckartig zu ihm um und fixierte ihn mit einem bösen Blick. „Was soll das? Warum soll McGee dich begleiten? Ich habe diese Apotheke ausfindig gemacht, also werde ich auch dorthin fahren.“ Fauchte sie Tony an. „Gut! Dann fahr doch mit McGee! Ich kann auch hier bleiben und Gibbs helfen!“ „Hast du ein Problem damit, mit mir dorthin zu fahren oder was soll dieses kindische Getue?“, fragte sie ihn. Dieses Mal mit gefährlich leiser Stimme. „Ich werde jetzt nicht weiter mit dir darüber diskutieren! Nimm McGee mit!“ Tony setzte sich wieder auf seinen Stuhl und beachtete sie nicht weiter.

Gibbs hatte sich das Schauspiel eine Weile mit gerunzelter Stirn angesehen, rollte jetzt aber genervt die Augen. „Du hast Recht, Tony! Es wird nicht diskutiert! ICH habe gesagt, ihr Beiden fahrt und dabei bleibt es auch! Seit wann kann man sich seine Arbeit hier aussuchen!!?? Ich bin immer noch euer Boss und ich sage, dass ihr Beiden fahrt! Und jetzt bewegt eure Hintern! Sofort!“ Tony und Ziva wechselten noch einen bösen Blick, nahmen sich dann aber doch ihre Jacken, um Gibbs nicht noch weiter zu reizen, und machten sich dann auf den Weg.

Die beiden im Raum verbliebenen starrten noch Sekunden lang auf die geschlossenen Fahrstuhltüren, bis McGee sich leise räusperte. „Ähm… kam das… jetzt nur mir seltsam vor?“, fragte er und sah etwas unsicher zu seinem Boss. Dessen Blick war immer noch auf die Fahrstuhltür gerichtet als er antwortete. „Nein McGee… das kam nicht nur Ihnen komisch vor. Da ist irgendwas im Busch.“ Damit wandte er sich wieder seinem PC zu. McGee sah ihn noch einige Augenblicke an, doch als ihm klar wurde, dass Gibbs nicht vorhatte mehr dazu zu sagen wandte auch er sich wieder seiner Arbeit zu.

Noch bevor Ziva und Tony aus dem Aufzug traten, hörte man ihre lauten Stimmen im Büro. Es war schon später Nachmittag und mittlerweile hatten sich auch Jenny, Abby und Ducky zu Gibbs und McGee gesellt. Die vier anderen waren gerade dabei Jenny über den neusten Fall ins Bild zu setzen. Schließlich wollte sie als Direktorin wissen was so vor sich ging. Doch das Streitgespräch zwischen Tony und Ziva unterbrach sie jäh. "Was geht denn da vor?", fragte Jenny erstaunt. Doch diese Frage konnte ihr keiner so richtig beantworten, denn niemand konnte sich das merkwürdige Verhalten der beiden erklären und so zuckten sie nur mit den Schultern oder schüttelten den Kopf.

Die beiden Streithähne kümmerten sich nicht weiter um die Anwesenden, als sie aus dem Lift stiegen. „Bist du etwa der Meinung, dass ich meinen Job nicht drauf habe oder was willst du mir damit sagen? Das ich nicht gut genug bin, oder was? Freitagnacht warst du da aber noch ganz anderer Meinung!", zischte die junge Israelin ihm böse entgegen. "Oh komm schon, Ziva! So gut warst du auch nicht. Nicht besser, als jede andere auch!", erwiderte Tony ebenso wütend, mit einer Spur Gleichgültigkeit in der Stimme.

Ziva, die in der Zwischenzeit schnaubend an Tony vorbei gezogen war, blieb ruckartig stehen. Sie drehte sich wieder zu ihm um, holte aus und schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Allen Anwesenden stockte der Atem. DiNozzo wich einen Schritt zurück. Seine Hand fuhr zu seiner Wange, während er seine Kollegin endgeistert ansah. Zivas Augen füllten sich langsam mit Tränen. „Du bist ein Arschloch, Anthony DiNozzo!“, sagte sie gepresst, dann wandte sie sich ruckartig ab und stürmte aus dem Büro.

Einige Augenblicke blieb alles still und niemand rührte sich. Sie alle starrten nur völlig verwirrt Ziva hinterher. Schließlich kam wieder Leben in Tony. Er wandte sich um und machte Anstalten ihr zu folgen. Doch in dem Moment trat Abby vor. „Ah ah ah… lass mich das machen Tony. Hier ist… das Einfühlungsvermögen einer Frau gefragt. Du hast schon genug angestellt, denke ich.“, sagte sie, verzog den Mund kurz zu einer Art Grinsen und klopfte ihm leicht auf den Oberarm. Dann drängte sie sich an Tony vorbei und folgte Ziva nach draußen.

Jethros Blick klebte noch eine Weile an der Fahrstuhltür, dann kehrte er zu Tony zurück. "Sagst du mir jetzt endlich was da bei euch beiden nicht stimmt, oder muss ich es erst aus dir heraus quetschen?“, fragte er und sah ihn mit gerunzelter Stirn und hochgezogener Augenbraue an. "Tut mir leid, Boss. Aber das ist eine private Angelegenheit zwischen Ziva und mir und geht niemanden etwas an.“

Gibbs legte den Kopf leicht schief und zu der erhobenen Augenbraue gesellte sich auch noch die andere hinzu, während die anderen achtsame Blicke tauschten. Wenn Jethro Leroy Gibbs etwas wissen wollte, dann sollte man ihm die Auskunft nicht verweigern. Egal aus welchem Grund. "Natürlich ist das eure Angelegenheit, aber nicht wenn ihr euer Probleme hier austragt.. Ich lasse nicht zu dass private Auseinandersetzungen unsere Ermittlungen behindern! Also. Ich erwarte…Nein…ich verlange von euch, dass ihr das so schnell wie möglich klärt! Haben wir uns verstanden?"

Diese Frage war eigentlich rein Rhetorischer Natur und Tony wusste das. Also nickte er nur und machte sich dann daran Gibbs von ihren neuesten Erkenntnissen zu berichten. Einer der Apotheker, der den er ausfindig gemacht hatte, hatte Petty Officer Alexander Richards auf dem Photo, dass Ducky von der Leiche gemacht hatte, wieder erkannt und ihnen gesagt, dass er einen ziemlich aufgelösten Eindruck auf ihn gemacht hatte. Trotzdem war Jethro von dieser Selbstmördertheorie noch nicht richtig überzeugt. Nicht, bis ein Mord zu hundert Prozent ausgeschlossen war. "McGee! Suchen Sie nach Angehörigen, Kollegen, etc. Vielleicht kann uns jemand von ihnen Näheres über den jungen Mann verraten. Tony! Du begleitest ihn!"

Die beiden Angesprochenen, taten wie ihnen aufgetragen wurde und machten sich auf den Weg zum Elternhaus.

Abbey ging in der Zwischenzeit hinaus auf den Parkplatz, in der Hoffnung, dort auf Ziva zu treffen. Und sie hatte Glück. "Hi!" Sie reichte ihrer Kollegin ein Taschentuch und setzte sich neben sie auf den Bürgersteig. "Hätte nicht gedacht, dass ich dich jemals weinen sehen würde und es passt auch nicht zu dir. Was ist denn nur passiert, dass Tony es wert ist, wegen ihm auch nur eine Träne zu vergießen?", fragte sie, während sie die Arme über den angewinkelten Knien verschränkte und den Kopf darauf legte.

Ziva, die erst mal kräftig in das gereichte Taschentuch geschnäuzt hatte, überlegte kurz, ob sie Abby davon erzählen sollte, was zwischen ihr und Tony geschehen war. Sie wollte nicht wirklich dass jemand davon erfuhr, aber sie wusste auch, dass sie bald platzen würde, sollte sie es nicht tun. Also seufzte tief und erzählte der Forensikerin alles...bis auf die Details, vielleicht. Abby staunte nicht schlecht, als Ziva geendet hatte. "Is ja krass! Du und Tony im Bett! Kann ich mir gar nicht vorstellen! Wie ist er denn?", fragte sie gerade heraus.

Ziva sah die Andere völlig entrüstet und leicht genervt an. "Was denn? Man wird doch wohl mal fragen dürfen!" Die Israelin schluckte hart, ehe sie antwortete. "Naja...ich...ehm...ich..."Abbeys Mund formte ein breites Grinsen. "Er ist gut, oder?" Die Ermittlerin nickte langsam. "Ja...Ja! Er ist gut, verdammt! Mein Gott! Na und? Was habe ich jetzt davon, ob DiNozzo gut im Bett ist oder nicht? Gar nichts! Nur nasse Augen!", brauste sie auf und schnäuzte sich erneut in das Taschentuch. "Ähm...Es heißt feucht.", verbesserte Abbey sie vorsichtig.

"Was?!"

"Na ja. Man sagt feucht. Und nicht nass. Aber is ja jetzt auch nicht so wichtig." Ziva sah sie leicht genervt an. "Ja. Das würde ich auch sagen. Aber...das zwischen Tony und mir geht nicht! Es würde gar nicht gut gehen. Wir sind Kollegen! Vielleicht sogar so etwas wie Freunde, aber dabei sollte es auch bleiben. Es würde nur unsere Zusammenarbeit erschweren. Es wäre so..."

"Du liebst ihn, nicht wahr?", unterbrach Abby ihren Redefluss. "Nein! Auf gar keinen Fall!", antwortete Ziva schnell. Vielleicht etwas zu schnell. "Ich und in Tony verliebt!?! Tony ist kein Mann zum Verlieben! Mach dich doch nicht lächerlich, Abbs!" Ihr Gegenüber ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken, sondern sah sie nur mit einem mitleidigen Blick an. "Die Einzige, die sich hier gerade lächerlich macht, bist du, liebe Ziva. Ich meine, warum hast du ihm eben eine gescheuert? Weil er deinen Stolz und deine Gefühle verletzt hat, oder? Außerdem würdest du nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn ihr zusammen wärt, wenn du ihn nicht lieben würdest. Oder dich wenigstens zu ihm hingezogen fühlen würdest. Und irgendwann, Ziva, wirst du mir auch Recht geben. Du wirst schon sehen.“, erklärte Abby sachlich. Dann lächelte sie ihre Kollegin an, klopfte ihr leicht aufs Knie und stand dann auf. „Na komm! Lass uns wieder rein gehen. Sonst darf ich mir von Gibbs anhören, dass ich nicht dafür bezahlt werde, meine Kollegen zu therapieren." Sie hielt ihrer Kollegin eine Hand vor die Nase und lächelte sie aufmunternd an. Ziva zögerte einen Augenblick, ergriff die Hand aber dann und erwiderte sogar das Lächeln leicht. Sie ließ sich von Abby auf die Beine ziehen und dann gingen sie zusammen zurück ins Innere des Gebäudes.

McGee und Tony waren mittlerweile bei den Eltern gewesen. Sie waren ca. eine Stunde da gewesen, um sie zu befragen. Das brachte sie aber nicht wirklich weiter. Laut den Eltern, hatte das Opfer weder Feinde gehabt, noch irgendwelche größeren Probleme. Er kam mit allen klar, die ihn kannten. Alle mochten ihn und niemand hätte einen Grund gehabt ihn zu hassen. Dasselbe hörten sie auch von Kollegen und Freunden, die sie ebenfalls befragt hatten. Nun saßen sie unzufrieden in McGees Wagen und starrten vor sich hin.

Plötzlich schnaubte McGee. "Ich kaufe ihnen ihre Heile-Welt-Story nicht ab! Sonst wäre er ja wohl auch nicht tot! Einer von ihnen hat uns entweder angelogen oder verheimlicht uns etwas." DiNozzo nickte geistesabwesend. "Denke ich auch, McGee.", murmelte er vor sich hin. Der Angesprochene wandte sich verwundert zu seinem Kollegen und sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Es dauerte eine Weile, bis Tony diesen fragenden Blick bemerkte und ihn erwiderte "Was?", fragte er leicht genervt. "Wie hast du mich gerade genannt?" DiNozzo sah ihn kurz irritiert an. "Was soll die doofe Frage? Ich habe dich McGee genannt. So heißt du doch! Oder hast du eine Namensänderung beantragt und dir jetzt einen cooleren Namen zugelegt?"

Timothy strafte seinen Kollegen mit einem bösen Blick, schüttelte dann aber mit dem Kopf. "Ja… schon. Also nein! Ich habe mir keinen anderen Namen zugelegt. Aber du nennst mich so selten McGee. Die paar Male, die du es dann doch getan hast, kann ich an einer Hand abzählen. Ich habe mich halt schon so daran gewöhnt, dass du mich Bambino nennst, dass mich das gerade ein wenig erstaunt hat.", versuchte er sich zu erklären. Tony wirkte im er ersten Moment wirklich erstaunt. Doch dann rollte er die Augen und erwiderte gereizt: "Herr Gott! Dann nenne ich dich jetzt halt nur noch BAMBINO, wenn dir das besser gefällt!"

McGee verzog das Gesicht, wie ein Kind, das gerade Ärger von seinem Papa bekommen hat und hob abwehrend die Hände in die Höhe. "Ist ja in Ordnung! Meine Güte! Was ist denn nur los mit dir? Nach dem, was ich von eurem Streitgespräch eben mitbekommen habe, kann ich mir zwar denken, was zwischen euch passiert ist, aber seit wann nimmt dich das denn so mit? Es ist dir doch sonst auch egal, was die Frauen danach denken! Es war vielleicht nicht gerade das Intelligenteste von dir, ausgerechnet mit Ziva zu schlafen, aber ich kann ganz sicher nichts dafür! Also wäre ich dir sehr dankbar, wenn du deinen Frust und deinen Ärger nicht an mir auslassen würdest! Es steht mir sowieso mittlerweile bis zum Hals, dass du dich dauernd über mich lustig machst oder mich runtermachst! Ich komme mit meinem Leben auch so sehr gut klar, ohne das ich so beliebt, so cool oder so gut aussehend wie du bin!", sagte McGee mit ungewohnter Schärfe in der Stimme, die zum Schluss immer lauter geworden war. Sein Geschichtsausdruck war mittlerweile so ernst, wie Tony ihn selten gesehen hatte. Eigentlich hatte er gar nicht gewusst, dass McGee so gucken konnte.

Zum ersten Mal, seit Timothy und Tony sich kannten, war DiNozzo nicht nur richtig sprachlos, sondern gaffte ihn regelrecht einige Sekunden an. "Wow!", sagte er schließlich, als er seine Sprache wieder gefunden hatte. McGee sah mittlerweile stur aus der Windschutzscheibe nach draußen. "Es tut mir Leid, Tony, dass ich dir das jetzt so gesagt habe, aber es musste einfach mal raus!" DiNozzo nickte nur. "Ok. Ich...ich.. hätte einfach nur nicht damit gerechnet. Ich wollte dich doch nur immer ein wenig aufziehen. Du hättest doch auch schon eher was sagen können, dann hätte ich damit aufgehört."

Timothy schüttelte leise lachend den Kopf. "Nein, Tony. Das hättest du nicht. Aber ich wäre dir sehr dankbar, wenn du es in Zukunft unterlassen könntest. Wenigstens in der Anwesenheit von Frauen." Nun lachte auch Tony kurz auf und reichte seinem Kollegen die Hand. "Das verspreche ich dir. Und eigentlich müsste ich mich entschuldigen. Ich habe wirklich meinen Frust an dir ausgelassen. Es… Es ist nur so... ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist. Ich wollte es ja auch unterbrechen und einfach nach Hause gehen, aber andererseits auch nicht. In diesem Moment hat sich das alles zu richtig angefühlt. Ich bin wirklich verwirrt, Bambino. Ich weiß, einfach nicht, wie ich damit umgehen soll oder ob ich ihr je wieder unter die Augen treten kann. Die Ohrfeige, die sie mir eben gegeben hat, die habe ich wirklich verdient. Ich hätte sie schon viel eher verdient. Aber...eigentlich bringt es jetzt auch nichts mehr, darüber zu reden oder auch nur nach zu denken. Es ist vorbei. Sie wird sowieso nie wieder auch nur ein Wort mit mir reden..."

Nun war es Tony, der stur aus der Scheibe sah. Erstaunt bemerkte McGee, dass der Gesichtsausdruck seines Kollegen richtig traurig war. Er wartete eine Zeit, bis er ihn fragte. "Bereust du es?" Tony zuckte kurz zusammen, als ihn die Stimme so unvermittelt aus seinen Gedanken riss. "Ich… ich weiß es nicht genau. Einerseits ja... andererseits nein. Es...es war wirklich toll...aber es hat auch soviel kaputt gemacht. Ziva kennt mich! Und sie kennt auch meine Einstellung zu Frauen. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich ein verdammter Frauenheld bin, der nicht mit genug Frauen in einer Woche schlafen kann. Das ist wohl auch so ziemlich das Einzige, was ich richtig gut kann..."

McGee verzog ein wenig das Gesicht. "Hör auf so einen Schwachsinn zu erzählen und dich selber zu bemitleiden! Das bringt dich jetzt auch nicht weiter. Es gibt viele Sachen, die du richtig gut kannst. Gut...In Gefühlsachen, könntest du vielleicht noch ein wenig Nachhilfe gebrauchen, aber keiner von uns ist perfekt. Sieh dir Gibbs an. Der kann so gut mit Gefühlen umgehen, wie ich Surfen kann. Nämlich gar nicht."

Tony hob eine Augenbraue, lächelte aber gleichzeitig und sah dem alten Tony so schon wieder viel ähnlicher. "Hey, Bambino! Das war ja ein Witz und sogar ein richtig guter!" McGee lächelte ebenfalls. "Auch wenn du mir mit dieser Art meistens auf die Nerven gehst...So gefällst du mir schon besser. Aber nun wieder zu dir und Ziva. Ich würde sagen, du unternimmst nichts, bis wir diesen Fall hinter uns haben. Darauf müssen wir uns jetzt mehr konzentrieren. Aber danach... würde ich an deiner Stelle zu Ziva gehen und mit ihr reden. Ihr solltet das wirklich klären, wenn ihr wieder normal zusammen arbeiten wollt. Gibbs hatte Recht. Es behindert nur unsere Ermittlungen, wenn so eine Sache zwischen euch steht." DiNozzo nickte. "Ja. Vermutlich habt ihr Recht. Ich werde zu ihr gehen, wenn wir hier fertig sind. Wir sollten jetzt aber auch langsam wieder ins HQ fahren, bevor Gibbs noch ne Vermisstenanzeige aufgibt."

Gibbs war alles andere als begeistert, als er hörte, dass die Befragungen von McGee und Tony sie nicht wirklich weiter gebracht hatten. Ziva und Tony hatten sich mittlerweile darauf geeinigt, nur das Nötigste, also nur das, was den Fall betraf, mit einander zu sprechen und somit erleichterten sie auch allen anderen die Arbeit. Streiten konnten sie sich später immerhin immer noch.

Gibbs knallte mit einem lauten Scheppern die Schreibtischtür zu, so dass alle Anwesenden vor Schreck zusammen zuckten. "Die können uns doch nicht weiß machen, dass der Petty Officer weder Feinde hatte noch lebensmüde war, wenn wir ihn mit einer Überdosis Antidepressiva auf einem Spielplatz finden! Irgendetwas daran stinkt zum Himmel und ich will wissen, was das ist! Ziva! Wir beide fahren noch mal zu Petty Officer Ryan O´Connor. Er war doch angeblich sein bester Freund. Also muss er doch auch mehr wissen, als er uns bis jetzt gesagt hat!" Ziva nickte und nahm sich ihre Jacke.

Es war mittlerweile schon 21.00 Uhr Abends, als sie an die Zimmertür des Petty Officers klopften, der ihnen auch fast sofort öffnete, so als hätte er sie erwartet. "Guten Abend, Sir! Ma´am!" Ziva und Gibbs nickten zur Begrüßung und betraten dann hintereinander das Zimmer. Es war sehr spärlich eingerichtet. Lediglich ein Schrank, ein Schreibtisch und ein Hochbett standen dort. Weder Bilder noch irgendwelche Pflanzen schmückten das Zimmer.

Gibbs blieb am Fenster stehen und wartete einige Augenblicke, ehe er sich an den jungen Mann vor ihm wandte. "Ich denke nicht, dass sie meinen Ermittlern bei ihrem letzten Besuch wirklich alles erzählt haben, was sie wussten, Petty Officer O´Connor. Also...Was wissen sie?" Gibbs hatte einen Unterton in der Stimme, der diesem Mann klar machte, dass sie nicht eher gehen würden, bis er ihnen nicht alles erzählt hatte.

"Ja, Sir. Sie haben Recht. Wie ich von ihren Ermittlern erfahren habe, starb Alex an einer Überdosis Antidepressiva. Er nahm dieses Zeug schon seit ungefähr 11 Monaten. Er hatte es sich ohne das Wissen seiner Eltern verschreiben lassen. Er sagte mir damals, dass er es nehmen würde, um mit dem ganzen Stress hier fertig zu werden. Alex war halt nicht so hart wie die Anderen hier. Sein Vater wollte unbedingt, dass er zur Navy geht. Er wollte eigentlich immer Lehrer werden. Aber was tut man nicht alles, um seine Eltern nicht zu enttäuschen. Aber.. es gibt da noch was Anderes, was sie wissen sollten.“ Er zögerte einen Augenblick, seufzte dann aber und sprach weiter. „Es ist so. Alex... Er.. er hatte ein Verhältnis. Mit der Frau des Captains. Ich habe ihm mehrmals nahe gelegt, dieses Verhältnis zu beenden, aber er wollte einfach nicht auf mich hören. Er sagte, sie wäre das einzig Positive, was er hier hätte und er würde sie nicht aufgeben. Dauernd sagte er, wie sehr er sie doch liebt und das auch sie ihn lieben würde. Angeblich hatte sie vorgehabt, ihren Mann für ihn zu verlassen, was ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte. Alleine der Altersunterschied von zwanzig Jahren war nicht zu verachten. Und was sollte eine Frau wie sie mit so einem jungen Typen? Er hatte sich zum Schluss wohl zu sehr darein gesteigert. Letzte Woche dann, hatte er sich zum letzten Mal mit ihr getroffen, um sie vor die Wahl zu stellen. Entweder er oder der Captain. Mrs. Ricket hat sich natürlich für ihren Mann entschieden, so wie ich es mir gedacht hatte und Alex war am Boden zerstört. Mit ihm war einfach nichts mehr anzufangen. Er hat sich krank gemeldet und sich tagelang hier eingesperrt und kaum noch was gegessen. Es war einfach erbärmlich ihn so zu sehen."

Der junge Offizier unterbrach seinen Monolog einige Augenblicke, um durchzuatmen und fuhr dann wieder fort. "Heute Mittag fing ich dann an, seine Sachen zusammen zu räumen, da seine Eltern sie Morgen abholen wollten und da habe ich das hier gefunden..." Er ging zur rechten Schrankhälfte, die anscheinend dem toten Offizier gehört hatte, holte eine etwa Schuhkartongroße Kiste heraus und gab sie Gibbs. Der schaute sich den Inhalt kurz an und gab sie dann an Ziva weiter.

"In Ordnung Petty Officer. Vielen Dank für ihre Hilfe. Wir werden die Sachen untersuchen." Sie verabschiedeten sich von ihm und verließen dann den Stützpunkt wieder in Richtung HQ. Abby kam ihnen auf dem Flur entgegen. Sie wollte anscheinend das Gebäude verlassen, doch Gibbs hielt sie auf. "Abs. Egal, was du jetzt vor hast… du musst es verschieben. Du musst diese Substanz hier, mit der Probe aus Petty Officer Richards Magen vergleichen. Er hat das Etikett von der Dose entfernt, aber ich denke, dass es sich dabei um Paroxetin handelt. Außerdem haben wir hier einen Abschiedsbrief...Er hat sich wohl doch selber umgebracht. " Abby schaute ihn erst enttäuscht an, zuckte aber dann die Schultern, nahm die Kiste entgegen und machte kehrt. Und tatsächlich. Die Substanz stimmte mit der Probe überein. Außerdem ließen sie den Brief von einem Graphologen mit anderen Schriftproben des toten Petty Officers vergleichen. Dieser Brief war tatsächlich von ihm verfasst worden.

„Es war wohl letzten Endes zu viel für seine sensible Persönlichkeit.“, stellte Gibbs fest, als sie kurz vor Mitternacht alle wieder an ihren Schreibtischen saßen. „Erst durfte er nicht dem Beruf nachgehen, den er ergreifen wollte und dann gibt ihm die Frau, die er über alles liebte einen Korb.“ Tony warf Ziva einen flüchtigen Blick zu, doch als sie diesen erwiderte, sah er sofort in die entgegen gesetzte Richtung. Da es schon spät war, schickte Gibbs sie schließlich alle nach Hause. Tony und Ziva würdigten sich wieder keines Blickes und Beide verließen getrennt voneinander das Gebäude. Würde es zwischen den beiden jetzt immer so bleiben? Oder würden sie es vielleicht doch schaffen sich noch mal zusammen zu reißen?

Ziva war auf dem Weg in ihr Badezimmer, um ein Bad zu nehmen. So was brauchte sie immer nach einem anstrengenden Tag. Das Badewasser war bereits eingelassen und sie ausgezogen, als es an der Tür klingelte. Warum immer ausgerechnet dann, wenn sie baden wollte? Sie zog wieder ihren Morgenmantel an und öffnete die Tür. Es war Tony. „Hi…ähm…Darf ich reinkommen?“, fragte er unsicher. Ziva überlegte kurz, ob sie ihm die Tür wieder vor der Nase zuschlagen sollte, entschied sich dann aber doch dagegen. Sie konnte sich schon denken, warum er hier war. „Wenigstens fragst du vorher. Ok. Komm rein.“ „Danke.“ Zusammen gingen sie ins Wohnzimmer. Ziva setzte sich auf den Sessel, während Tony auf dem Sofa Platz nahm. Sie saßen so weit voneinander entfernt wie möglich. Beiden war diese Situation mehr als unangenehm. Aber sie mussten diese Sache früher oder später aus der Welt schaffen, wenn sie je wieder normal miteinander arbeiten wollten.

Tony, war der Erste, der etwas sagte. „Ich… ich denke, wir sollten reden. Über das, was Freitag passiert ist. Findest du nicht auch?“ Er wartete, bis er eine Zustimmung erhielt und seine Kollegin enttäuschte ihn auch nicht, denn sie nickte. „Erstmal… Möchte ich mich bei dir entschuldigen, für das, was ich dir heute Mittag gesagt habe. Es war wirklich nicht so gemeint. Ich war einfach nur wütend. Und wenn ich wütend bin, sage ich nun mal Sachen, die ich nicht so meine. Nicht mal auf dich, sondern auf mich. Dass ich das ganze überhaupt zugelassen habe, hat mich wütend gemacht. Du bist einfach keine dieser Frauen, die man sich mal eben so für eine Nacht nimmt. Auch wenn du mir das vielleicht nicht glauben wirst, aber ich habe das wirklich nicht so geplant. Ich wollte einfach nur diesen bescheuerten Film sehen. Ziva…Um ehrlich zu sein. Ich will nicht, dass das hier zwischen uns steht und ich möchte dich auch nicht als Freundin verlieren, denn das bist du inzwischen für mich. Ich wollte dich einfach fragen, ob es nicht wieder so wie früher zwischen uns sein könnte. Also…. Was sagst du dazu?“

Ziva überlegte eine ganze Weile. Sie wusste nicht warum, aber sie spürte ein leichtes Gefühl der Enttäuschung. Hatte Abby vielleicht doch richtig gelegen? Hatte sie sich mehr von dieser Nacht versprochen? Doch eigentlich hatte Tony Recht. Sie sollten diese Sache wirklich hinter sich lassen. Alleine um Gibbs Team nicht zu gefährden. Deshalb nickte sie langsam. „In Ordnung Tony. Du hast Recht. Es…es war ja auch nur eine Nacht. Und wir sind Beide erwachsen. Außerdem ist mir ebenfalls daran gelegen, einen Freund wie dich nicht zu verlieren.“ Sie unterbrach einen kurzen Moment, um ein wenig über ihre nächsten Worte nachzudenken. Doch dann fuhr sie fort. „Aber sei mir nicht böse. Ich bin schrecklich müde und ich wollte noch baden gehen. Wir sehen uns dann Morgen im Büro.“ Tony wusste, dass ihre Müdigkeit als Grund nur vorgeschoben war, aber er hatte auch nicht erwartet, dass gleich wieder alles so war wie vorher. „Ja ist gut. Gute Nacht.“, erwiderte er nun und erhob sich, um in Richtung Haustür zu gehen. Ziva lächelte zaghaft. „Ja. Die wünsche ich dir auch.“

 

 

Titel: Die einzige Möglichkeit.

Autor: Kajol

Email: siren384@yahoo.de

Fandome: X-men

Rating:

Warnung: Death

Kommentar: Also erst mal… das ist meine erste, abgeschlossene Geschichte, also geht bitte nicht zu hart mit mir ins Gericht. In der Geschichte geht es hauptsächlich um Scott, der den Tod von Jean nicht verarbeiten kann. Den Rest könnt ihr hier nachlesen. Ist ja auch nicht viel. Also viel Spaß und ich würde mich über Kommentare freuen.

 

 

 

 

 

Scott stand vor dem offenen Fenster und sah hinaus auf den Park. Wie er es jeden Abend machte. Dass es kalt war und er fröstelte, merkte er nicht. Und selbst wenn; es hätte ihn sowieso nicht interessiert. Ihn interessierte gar nichts mehr. Alles war ihm egal! Ihm war egal, was seine Kollegen, seine Freunde dachten. Das er aussah wie eine wandelnde Leiche. Das er sich, wie schon fast jeden Tag sinnlos betrank.

Er hörte immer wieder die Worte Wolverines in seinem Kopf. ~ Sie ist tot…sie ist tot…! ~ Sie wiederholten sich ständig, als würde er in einer Endlosschleife fest hängen. Langsam  füllten sich seine Augen wieder mit Tränen. Er hatte so gehofft, dass es keine Tränen mehr gab, die er noch vergießen konnte. Doch die salzige Flüssigkeit, die sich erneut ihren Weg aus seinen Augen hinunter über die Wangen bahnte, bewies ihm das Gegenteil.

~Warum nur? Warum hast du das getan? Um uns alle zu retten? ~

Scott lachte tonlos auf. Mit wem redete er eigentlich? Mit Jean? Diese Zeit war vorbei! Er konnte nie wieder mit ihr reden. Nie wieder ihre zarte Stimme hören. Nie wieder über ihre leicht gebräunte Haut streichen.  Nie wieder in ihre braunen Augen sehen. Sie nie wieder spüren….

Er hatte schon einmal gedacht, er hätte sie verloren. Allerdings an einen anderen Mann. Wolverine! Er hasste ihn nicht. Ihr Verhältnis war vielleicht nicht das Beste und sie konnten nie Freunde werden, aber sie hatten doch einige Sachen gemeinsam…Sie stritten sich gerne gemeinsam, sie liebten schnelle Fahrzeuge und….dieselbe Frau! Jean!

Er ließ sich einfach fallen. Hart schlug mit den Knien auf den Boden. Doch er spürte keinen Schmerz. Er schluchzte leise vor sich hin. Ihm war egal, dass er wie ein Kind auf dem Boden kauerte. Ihn konnte eh niemand sehen.

~Oder kannst du mich sehen, Jean? Siehst du, was du angerichtet hast?! Wen wolltest du retten? War dir denn nicht klar, dass du mit deinem Tod niemanden rettest, sondern mich mit in den Tod reißt? Wer bin ich denn ohne dich? Niemand! Ich kann und will so nicht leben! Nicht ohne dich! ~

Wieder lachte er tonlos. Es machte doch alles keinen Sinn! Wem machte er hier Vorwürfe? Sie konnte ihn nicht mehr hören! Nie wieder!

Wieder kam ihm das Bild vor Augen, welches er verzweifelt versuchte, mit Alkohol zu ertränken. Das Bild, wie die riesige Flutwelle über ihr zusammenbrach und sie verschlang. Für immer in sich einschloss und nie wieder hergeben würde! Was hatte er nur getan, dass man ihm das Liebste, das Wichtigste, was er auf dieser Welt besaß, genommen hatte? War er denn so ein schlechter Mensch? Er war arrogant und ein wenig zu selbstsicher, das wusste er. Aber sie hatte ihn so akzeptiert. Ihn so genommen, wie er war. Jean war seine erste, richtig feste Freundin gewesen und sie sollte auch seine letzte und einzige sein.

Er hangelte sich mit einer Hand zu dem Schrank neben ihm und zog sich nur mit Mühe wieder auf die Beine. Schwankend, von zu viel Alkohol in seinem Blut, ging er auf seinen Nachttisch zu und öffnete die oberste Lade. Er nahm eine kleine Schachtel heraus und öffnete sie. Sein Blick fiel auf das kleine Kästchen im Inneren. Ein flüchtiges Lächeln huschte über seine Lippen. Er öffnete nun auch das Kästchen, welches er mittlerweile in seiner Hand hielt und sah auf den silbernen Ring, der in einem weichen Futter steckte. Die Nachtischlampe fiel auf den Diamant, in der Mitte des Ringes, und ließ ihn in allen nur möglichen Farbfacetten funkeln

Er hätte sie so gerne zu seiner Frau gemacht. Für immer zu ihr gehören wollen. Doch nun war dieser Ring nichts mehr wert! Er klappte die kleine Schachtel wieder zu und warf sie mit einem heiseren Schrei gegen die nächste Wand.

Er ließ sich auf das Bett fallen und schloss die Augen. In seinem Kopf routierte es und er hatte das Gefühl, er würde jeden Moment zerbersten.

 

Am anderen Ende des Flures fuhr Wolverine, der sich gerade in sein Bett gelegt hatte, zusammen, als er den Schrei hörte. Er seufzte leise. Es war nun schon drei Monate her und Scott ging es immer schlechter. Logan hätte es nie zugegeben, aber er machte sich Sorgen um seinen Lieblingsstreitpartner. Dieser aß schon seit Wochen nicht mehr, als ihm aufgezwungen wurde und die einzige Flüssigkeit, die er noch in sich hinein kippte, war Whiskey. Sicher. Logan hatte Jean auch geliebt. Aber wirklich so sehr, um sich derart zu verlieren? Wo sollte das noch enden? Scott vernachlässigte den Unterricht der Kinder und sperrte sich eigentlich nur noch in seinem Zimmer ein. Nicht mal der Professor kam noch an ihn ran. Er schlug die Decke beiseite und stand auf. Er ging aus dem Zimmer, auf den Flur hinaus und in Richtung Scotts Zimmer. Leise klopfte er an die Tür. „Scott? Ist alles in Ordnung?“, fragte er durch die geschlossene Tür.

„Lass mich in Ruhe….“ Man konnte es kaum hören und jeder andere hätte es wahrscheinlich auch nicht gehört, aber dank seiner Fähigkeiten, hörte er sie doch. „Komm schon. Lass mich rein.“ Logan war sich im Klaren darüber, dass der Andere ihn sowieso nicht hinein lassen würde, aber er wollte es auf einen Versuch ankommen lassen. Er war sich auch nicht sicher, was er Scott sagen sollte. Und warum er das hier überhaupt tat. Eigentlich konnte er ihm doch egal sein. Ja… eigentlich…Aber das war es nicht.

„Ich habe gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen!“, schmetterte es ihm plötzlich entgegen und Logan rollte mit den Augen. Es war nicht zu überhören, dass Scott schon wieder getrunken hatte.

„Hör zu! Es ist mir scheißegal, ob du dich besäufst oder deine Inneneinrichtung auseinander nimmst. Aber nicht wenn ich schlafen will, verstanden?“ Wolverine  hörte angestrengt auf eine Antwort. Er hoffte, dass er so vielleicht an ihn rankam. Und tatsächlich. Er hörte, wie sich der Schlüssel im Schloss umdrehte. Die Tür öffnete sich und Scott erschien vor ihm. Er sah erbärmlich aus. Trotz des Visors sah man, das er geweint hatte.

„Warum kümmerst du dich nicht um ….um deinen eigenen Scheiß?“, lallte der Jüngere ihm entgegen. „Lasst mich einfach alle alleine….so wie sie…..“ Er trat noch einen Schritt auf Logan zu, doch dann verließen ihn die Kräfte. Alles um ihn herum wurde dunkel und er hieß diese Dunkelheit, mehr als willkommen. Er wäre hart auf den Boden aufgeschlagen, hätte Logan ihn nicht aufgefangen. Er umfasste ihn an der Taille und an den Beinen und hob ihn auf, um ihn aufs Bett zu legen. ~Jetzt trage ich dich sogar durch die Gegend! Dafür schuldest du mir was! ~ Er wollte sich gerade zum Gehen wenden, als sein Blick auf die kleine, schwarze Schachtel am Boden fiel. Er konnte sich denken, was darin war und sah noch mal zu Scott. Ja. Wolverine hatte Jean geliebt, aber bei weitem nicht so sehr, wie dieser Mann vor ihm auf dem Bett.

 

 

„Ich mache mir wirklich ernsthafte Sorgen um ihn.“ Der Professor saß am Fenster und hatte die Stirn in Falten gelegt, während er hinaus sah. Es war noch sehr früh am Morgen. Keiner der Schüler war wach und nur er, Storm und Logan befanden sich in dem riesigen Gemeinschaftsraum. Logan hatte ihnen von seinem gestrigen Erlebnis mit Scott erzählt. „Ja, aber was wollen wir tun? Er hat sich total verschlossen. Es kommt niemand mehr an ihn ran.“, warf Storm ein. Die dunkelhäutige Frau mit den weißen Haaren,  machte sich ebenfalls Sorgen um ihren Freund. Jeder tat das. Scott konnte zwar manchmal recht arrogant sein, aber trotzdem mochte ihn jeder.  Aber nichts erinnerte mehr an diesen Mann, der er noch bis vor ein paar Monaten gewesen war. Sie hatten durch Jeans Tod gleich zwei Freunde verloren.

„Ich weiß Storm. Und wir können nichts tun. Er muss es selber schaffen. Er ist alt genug.“ Nun drehte Prof. Xavier sich um und sah die Anderen an. „Ich weiß, dass das keine zufrieden stellende Antwort auf deine Frage ist, Storm, aber es gibt keine Bessere. So leid mir das tut.“ Er atmete tief durch. „Wir können nur versuchen, ihn ein wenig im Auge zu behalten. Ich denke zwar nicht, dass er sich irgendetwas antun würde, aber sicher ist sicher. Storm, ich möchte, dass du gleich noch mal nach ihm siehst, bevor der Unterricht anfängt.“ Damit setzte er seinen Rollstuhl in Bewegung und ließ die anderen Beiden in dem großen Raum zurück.

 

Storm tat, was der Professor ihr gesagt hatte und ging den Flur entlang zu Scotts Zimmer. Sie öffnete die Tür….und erschrak. Das Zimmer war leer. Von Scott war weit und breit keine Spur zu sehen. Sie rannte aus dem Zimmer und direkt in Wolverines Arme, der gerade auf  dem Weg in sein Zimmer war. „Hey! Nicht so stürmisch! Was ist denn los?“ Er hielt Storm an den Armen fest und sah sie fragend an. „Er ist weg!“, brachte sie nur aufgeregt hervor und Tränen füllten ihre Augen. „Was soll das heißen er ist weg!“, fragte er ungläubig. „Scott! Er ist weg! Sein Zimmer ist leer und er hat auch nichts mitgenommen, so wie es aussieht! Er wird doch nicht…..“. Sie stoppte mitten im Satz und ließ ihren Tränen freien Lauf. „Nicht auch noch er….“, brachte sie schluchzend hervor und lehnte sich gegen seine Schulter.

Logan schlang seine Arme um sie und streichelte ihr zärtlich über den Rücken. „Mach dir keine Sorgen. Vielleicht holt er sich auch nur was zu Essen oder er ist etwas an die frische Luft gegangen. Du beruhigst dich jetzt und gehst zum Unterricht. Ich werde ihn schon finden. In Ordnung?“ Er löste die Umarmung und sah sie mit einem aufmunternden Lächeln an. Das hatte offenbar Wirkung. Sie nickte leicht, wischte sich die Tränen weg und ging.

 

Scott irrte orientierungslos durch den Wald. Er hatte sich schon vor Stunden ungemerkt auf den Weg zum Alkali Lake gemacht. Er hoffte so mit allem abschließen zu können. Je näher er diesem Ort kam, umso stärker wurde das Gefühl endlich wieder in ihrer Nähe zu sein. Sein Kopf war voll mit Erinnerungen an sie. An schöne Erinnerungen aus ihrer gemeinsamen Zeit. Aber auch das Bild von ihr, wie sie von der  Flutwelle getroffen wurde und in ihr verschwand, spukte ihm immer wieder durch den Kopf. 

Schließlich kam er an die Stelle, an der alles geschehen war. Er ging ein paar Schritte vor und stellte sich auf den letzten Rest Gemäuer, der noch von dem Staudamm, der hier einmal stand, übrig geblieben war.

Stundenlang so kam es ihm vor, sah er hinunter, in die Tiefen des Sees, als hoffte er, sie würde daraus wieder auftauchen. Natürlich wusste er, dass das nicht passieren würde.

Plötzlich packte ihn eine ungeahnte Wut. Er konnte nicht genau sagen, woher diese Wut auf einmal kam. Und auf wen er wütend war. Auf sie? Weil sie ihn einfach allein gelassen hatte? Auf sich? Weil er sie nicht aufgehalten hatte? Weil er nicht bemerkt hatte, wie sie aus dem Jet gegangen war? Um sie alle zu retten….

„Sieh mich doch an! Warum hast du das getan? Warum verdammt!?“, brach es plötzlich aus ihm heraus.

Gott! Er konnte das nicht mehr! Er hatte es versucht, aber es ging nicht. Er hatte so gehofft, sie vergessen zu können oder zumindest wieder ein normales Leben zu führen. So wie die anderen. Aber dafür  hatte Jean einen zu großen Platz in seinem Leben eingenommen. Er konnte es einfach nicht.

Wieder spukten Bilder von ihr durch seinen Kopf und wieder hatte er das Gefühl, sein Schädel würde jeden Moment explodieren. Er sank auf seine Knie und hielt sich den Kopf.

„….Verschwinde….verschwinde….“, murmelte er leise vor sich hin.

„Verschwinde verdammt!“, schrie er nun heraus und in der nächsten Sekunde durchbrachen die Energiestrahlen aus seinen Augen den Visor und lösten ihn in seine Einzelteil auf.  Scott schloss seine Augen wieder und ließ sich nach vorne fallen. „Lass mich doch endlich in Ruhe….“, schluchzte er leise.

Nach einer kleinen Ewigkeit richtete er sich langsam wieder auf und ging mit geschlossenen Augen weiter auf den Abgrund vor sich zu.

Das war die einzige Möglichkeit….

Die einzige Möglichkeit sie wieder zu sehen….

Die einzige Möglichkeit Erlösung zu finden….

Einen Schritt noch und es war endlich vorbei. Einen Schritt noch und er war endlich wieder bei ihr. Einen Schritt noch und er war endlich wieder frei. Er hörte wieder ihre Stimme in seinem Kopf. Wie sie ihn rief. Wie sie ihn aufmunterte, zu ihr zu kommen.

Er fasste in seine Hosentasche und umfasste den Ring, der für sie bestimmt war…“Ich liebe dich….“ und sprang.

 

 

Ende

 

 




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